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Keine Angst vor großen Autos

So macht der erste Urlaub im Wohnmobil richtig Spaß

Tips und Tricks für Einsteiger: Mieten, Fahren, Technik, Praxis. Wer das erste Mal mit einem Reisemobil auf Tour gehen will, hat stets ein wenig Bammel. Wird das mit den Kindern klappen? Was müssen wir alles mitnehmen? Wie schaffen wir das mit der ganzen Technik, mit Heizung, Kühlschrank und der Bordtoilette? Und überhaupt: Kommen wir mit so einem großen Monstrum überhaupt zurecht? Die bangen Gefühle lassen sich allerdings mit ein wenig Vorbereitung schnell abbauen. Und dann beginnt der Spaß.

Probelauf
Deshalb sollten Sie sich vorbereiten, indem Sie während einer Testfahrt eigene Erfahrungen mit dem Mobil sammeln. Wie bei einer Generalprobe am Theater können Sie - etwa während eines mehrtägigen Kurztour im gemieteten Mobil - schnell feststellen, ob Ihrer Familie diese Urlaubsform zusagt und worauf Sie später achten müssen. Mieten Sie für diese Probefahrt ein Fahrzeug, das auf Ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist. Anbieter finden Sie im Anzeigenteil von spezialisierten Reisemagazinen, in regionalen Tageszeitungen und im Internet. Die meisten Vermieter bieten eine breite Modellpalette an, die Grundrisse richten sich aber vorwiegend nach den Bedürfnissen von Familien. Vergleichen Sie die verschiedenen Angebotsmodelle der Vermieter. Denken Sie daran, dass die Vermieter auf den Mietpreis, der je nach Saison sowie Größe und Ausstattung des Mobils sehr unterschiedlich ausfallen kann, noch Gebühren für die gefahrenen Kilometer und die abschließende Reinigung sowie eine Fahrzeugversicherung draufschlagen. Achten Sie auf besondere Angebote für Schnupperwochenenden. Beachten Sie auch weitere Kosten, wie zum Beispiel die Ausgaben für Kraftstoff, Gebühren für ausländische Autobahnen, eventuell Übernachtungsgebühren auf Reisemobilstell- oder Campingplätzen und natürlich die Kosten für das ganz normale Urlaubsleben; also für Verpflegung, Eintrittspreise und anderes. Wählen Sie für Ihre Schnupperwoche eher ein Modell mit kompakten Abmessungen - es lässt sich leichter manövrieren als etwa Fahrzeuge mit Längen ab sechs Metern. Achten Sie außerdem auf eine möglichst hohe Zuladung Ihres Gefährts; haben Sie Kleidung, Bettzeug, Küchenutensilien, Kindersitze, Campingstühle und Tisch, eventuell Grill, Fahrräder oder Ihre Sportausrüstung eingeladen, sind einige Mobile schon überladen - und Ihre Familie will ja schließlich auch noch mitfahren. Die Überschreitung des zulässigen Gesamtgewichts ist nicht nur strafbar, sondern auch gefährlich, weil sich dadurch das Fahr- und Bremsverhalten des Mobils wesentlich verschlechtert. In einem kompakten Reisemobil finden Sie zwar selten Stockbetten oder vergleichbare Schlafplätze für Kinder, aber im Alkoven über der Fahrerkabine ist der Nachwuchs nachts gut aufgehoben, wenn Sie ihn mit dem fast immer serienmäßigen Netz oder den Spannstangen vor dem Herunterfallen sichern. Je nach Alter können so zwei bis drei Kinder im Alkoven schlafen. Die Eltern verbringen dann den Abend in trauter Zweisamkeit an der Dinette, einer Kombination aus Tisch und zwei Sitzbänken, bevor sie sich nach deren Umbau zum Doppelbett ebenfalls zur Ruhe legen. Aus Platzgründen werden Sie in einem Kompaktmobil sicher auch die kleinste Nasszellenversion vorfinden, in der lediglich ein Rundumvorhang das Bad bei Bedarf in eine Duschkabine verwandelt. Aber wenn Sie zunächst ohnehin nur den Aufenthalt auf einem Campingplatz einplanen, können Sie ja die dort vorhandenen Einrichtungen nutzen. Haben Sie bereits Fahrpraxis und Erfahrung mit großen Fahrzeugen oder reizt es Sie, gleich mit mehr Luxus einzusteigen, leisten Sie sich ruhig ein größeres Mobil mit mehr Komfort: ein Bad mit Extra-Duschkabine, mehr Arbeitsfläche in der Kombüse, eventuell ein Stockbett, das sich mit Vorhang oder Schiebetür vom übrigen Raum abtrennen lässt, eine zusätzliche Dinette oder eine größere Sitzgruppe, vielleicht mit einer Couch gegenüber.

Routenplanung
Natürlich lockt die neue Mobilität: Am liebsten würde man nur noch auf Achse sein und, wo es einem gefällt, das Abendlager aufschlagen. Sie tun sich und Ihrer Familie aber keinen Gefallen, wenn Sie kilometerfressend durch die Lande ziehen. Zwar sollten Sie nicht generalstabsmäßig eine Route festlegen und akribisch alle Sehenswürdigkeiten abklappern, doch ein bisschen Planung spart Diskussionen an jeder nächsten Straßenkreuzung. Wählen Sie für Ihren ersten Urlaub im Reisemobil ein nicht allzuweit entferntes Zielgebiet, das Ihrer Familie ein abwechslungsreiches Programm bietet: Neben Besuchen von kindgerechten Museen, Erlebnisbädern- oder Freizeitparks sollte es auch dem Bewegungsdrang der jüngeren Reisemobilisten entgegenkommen - dazu gehören etwa leichte Fahrradtouren oder kleine Wanderungen. Ein solches Programm sorgt dafür, dass abends im Kindernachtlager schnell Ruhe herrscht. Während Sie so in kleinen Etappen ein Urlaubsgebiet erkunden, können Sie alle Möglichkeiten des mobilen Urlaubs ausloten. Testen Sie die außer der klassischen Variante Campingplatz ruhig auch einmal die Möglichkeit, autark zu übernachten - also ohne Stromanschluss, auf freien Stellplätzen. Dennoch gilt: Weil der ungewohnte Umgang mit der Haustechnik im Reisemobil nicht unbedingt auf Anhieb klappen muss, steuern Sie für die erste Übernachtung auf jeden Fall einen Campingplatz an. Dort finden Sie immer einen erfahrenen Nachbarn, der bei Problemen gerne weiterhilft. Für die Planung Ihres ersten längeren Urlaubs mit dem Mobil gibt es eine einfache Faustregel: Je kleiner die Kinder sind, desto länger sollten Sie an einem Ort bleiben. Im Falle eines dreiwöchigen Urlaubs etwa empfiehlt es sich, eineinhalb bis zwei Wochen auf einem Campingplatz im Urlaubsgebiet zu verbringen, den Sie recht frühzeitig buchen sollten. Die übrige Zeit nutzen Sie am besten für eine gemütliche An- und Abreise in kleinen Etappen und mit interessanten Abstechern. Die Jüngsten werden es Ihnen mit mehr Ausgeglichenheit danken. Wer täglich die Umgebung wechselt, zwingt den Kindern nicht nur einen ungewohnten Tagesrhythmus auf, sondern nimmt ihnen auch die Möglichkeit, Freundschaften zu schließen, die Umgebung zu erkunden, sich sicher zu fühlen. Wer seinen Kindern dafür Zeit gibt, wird erleben, wie selbständig schon Vierjährige ihren eigenen Interessen nachgehen und den Eltern damit Ruhepausen gönnen. Auch Jahreszeit und Reiseziel bestimmen das Wohlbefinden der ganzen Familie. Heißes, trockenes Klima etwa belastet die Kids, und selbst nachts finden sie im aufgeheizten Mobil kaum Erholung. Unausgeschlafene Kinder, die sich tagsüber in der Hitze quälen, sind erfahrungsgemäß nur schwer zufrieden zu stellen.

Startvorbereitung
Nehmen Sie sich Zeit bei der Übergabe des Fahrzeugs. Lassen Sie sich die Ausstattung und die gesamte Technik vom Vermieter ausführlich erklären. Am besten bleibt dabei Ihr Nachwuchs zu Hause. Auch eigene Notizen helfen, wenn es unterwegs mal Probleme - etwa durch Bedienfehler an Elektrik, Heizung, Kühlschrank oder Herd - geben sollte. Besonders wichtig: Testen Sie Platzierung und Montage der Kindersitze an der Dinette in Fahrtrichtung. Der Fensterplatz eignet sich am besten für Babyschalen und Kleinkinder-Sicherheitssitze, der Platz daneben eher für die Größeren, die schon auf Sitzerhöhungen, gesichert mit dem Dreipunkt-Gurtsystem des Fahrzeugs, die Fahrt genießen dürfen. Auch wenn der Dinettentisch ideal scheint für Beschäftigungsspiele, aus Sicherheitsgründen - bei scharfen Bremsmanövern drohen Kopfverletzungen - muss er abgesenkt als Fußstütze dienen oder ganz entfernt werden. Steuern Sie nach der Übergabe freies Gelände an, einen Parkplatz an einem Sportplatz etwa oder ein großzügig erschlossenes Gewerbegebiet. Rangieren Sie das Mobil, lernen Sie das Verhalten des Fahrzeugs in Kurven und beim Bremsen kennen, prüfen Sie die Sichtverhältnisse nach hinten und zu beiden Seiten und merken Sie sich mögliche "tote Winkel”. Ist das Mobil später beladen und komplett besetzt, sollten Sie Ihre Übungen wiederholen. So bekommen Sie ein Gespür für das veränderte Fahrverhalten (längerer Bremsweg, Neigung in Kurven). Vereinbaren Sie außerdem eindeutige Handzeichen mit ihrem Kopiloten, dadurch vermeiden Sie später Missverständnisse bei Einweisungsmanövern. Und schließlich: Denken Sie beim Rangieren an den Hecküberhang des Mobils; besonders bei längeren Fahrzeugen braucht das Hinterteil oft sehr viel Platz.

Quelle: "REISEMOBIL INTERNATIONAL" 03/99
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