Richtiges Pannen-Verhalten kann Leben retten
Unfälle nach Pannen zeigen immer wieder, wie wichtig die richtige Absicherung von liegen gebliebenen Fahrzeugen ist. Denn jedes Auto, das am Straßenrand oder - noch schlimmer - auf der Fahrbahn steht, stellt ein Risiko dar. Nachfolgend erhalten Sie Tipps für verschiedene Pannensituationen.
Verbandkasten prüfen!
Das kleine Kästchen kann Leben retten. Deshalb sind Verbandkästen im Auto Pflicht. Aber: Sind Sie sicher, dass Ihre Reiseapotheke noch komplett und funktionstüchtig ist? Überprüfen Sie den Inhalt mal wieder – es lohnt sich! Und: Verbandkästen gehören nicht in den Kofferraum! Nach einem Unfall sind sie dort häufig unerreichbar oder kaputt.
Oft liegt die Erste-Hilfe-Box jahrelang unbeachtet im Auto. Hitze und Kälte zermürben die Verbände, das Verfallsdatum von Kompressen und Mullbinden wird überschritten. Passiert ein Notfall, kleben die Pflaster womöglich nicht mehr, und die Bandagen sind ausgeleiert. Sorgen Sie vor!
Nach der DIN-Norm muss ein Verbandkasten Folgendes enthalten: Heftpflaster, Wundschnellverbände, Verbandpäckchen und -tücher, Kompressen, Mull- und Fixierbinden, Dreiecktücher, eine Rettungsdecke aus Alufolie zum Zudecken Verletzter, eine Erste-Hilfe-Schere, Einmalhandschuhe aus PVC und eine Erste-Hilfe-Broschüre.
Das Material der Einmalhandschuhe kann nach ein oder zwei Jahren spröde werden und beim Anziehen reißen. Deshalb müssen die Handschuhe regelmäßig ausgetauscht werden. Gleiches gilt für Pflaster: Der Klebstoff leidet unter Sommerhitze und haftet dann nicht mehr. Ziehen Sie ein paar Zentimeter von der Heftpflasterrolle ab und untersuchen Sie, wie gut das Material noch klebt. Auch Wundschnellverbände können an Haltekraft verlieren.
Im Zweifelsfall lohnt es sich, einen neuen Verbandkasten zu besorgen. Der kostet um die 13 Euro. ADAC-Geschäftsstellen und Apotheken helfen beim Bestücken von Verbandkästen. Nehmen Sie Ihre Reiseapotheke mit und lassen Sie sie an Ort und Stelle überprüfen! Vorsichtig sollte man aber bei Billig-Angeboten von Verbandkästen sein! Viele erfüllen die erforderliche DIN-Norm nicht.
Oh Schreck - Auto kaputt!
Die Horrorvorstellung eines jeden Autofahrers: Mitten im Verkehr streikt plötzlich das Auto, nichts geht mehr. Jetzt heißt es Ruhe bewahren und besonnen handeln, um sich selbst und die nachfolgenden Fahrer nicht zu gefährden. Deshalb hier die drei goldenen Regeln für den Ernstfall.
- Bremsen Sie bei einer (Reifen)-Panne nicht plötzlich ab und beachten Sie immer auch den nachfolgenden Verkehr.
- Schalten Sie schon im Ausrollen die Warnblinkanlage an.
- Wechseln Sie sofort auf den Standstreifen.
Das Auto korrekt absichern!
Liegen gebliebene Fahrzeuge bergen ein Unfallrisiko für die anderen Verkehrsteilnehmer. Ein unbeleuchtetes Fahrzeug wird bei Nacht unter Umständen erst zu spät erkannt. Auch nach einer Kurve ist die Gefahr, übersehen zu werden, größer als auf gerader Strecke. So sichern Sie Ihr Fahrzeug richtig ab:
- Überprüfen Sie, ob das Auto an einem sicheren Platz steht: Fahren Sie, falls es geht, weg von gefährlichen und unübersichtlichen Stellen, wenn möglich in eine Pannenbucht.
- Schalten Sie bei Dunkelheit oder schlechter Sicht das Licht an.
- Lassen Sie ihre Mitfahrer immer auf der rechten Fahrzeugseite aussteigen. Vergewissern Sie sich, bevor Sie selbst aussteigen, ob der Verkehr es auch zulässt. Der sicherste Platz zum Warten ist hinter der Schutzplanke.
- Gehen Sie mit aufgeklapptem Warndreieck dem Verkehr entgegen - wenn möglich ebenfalls hinter der Leitplanke.
- Stellen Sie das Warndreieck in zirka 200 Meter Entfernung auf, um nachfolgende Fahrzeuge schon früh zu warnen. Dies entspricht dem Abstand zwischen vier Leitpfosten. Bei Dunkelheit sollte zusätzlich eine Blinkleuchte ungefähr 250 Meter vor der Pannenstelle aufgestellt werden.
- Ist Ihr Auto direkt hinter einer Kurve liegen geblieben, das Warndreieck möglichst vor der Kurve aufstellen, um rechtzeitig Aufmerksamkeit zu erregen.
- Gefährden das stehende Fahrzeug oder verlorene Teile den Verkehr, informieren Sie die Polizei über 110. Versuchen Sie niemals, Ladung selbst zu bergen, die im fließenden Verkehr auf der Fahrbahn liegt.
- Noch ein Tipp: Lassen Sie die Hülle des Warndreiecks auf dem Fahrersitz liegen - so vergessen Sie es später nicht.
Die Panne melden!
Für schnelle Pannenhilfe ist eine genaue Ortsangabe wichtig. Welche Angaben Sie dafür benötigen und wo Sie diese finden, erfahren Sie hier.
- Führen Sie keine zeitraubenden Gespräche über den möglichen Pannengrund mit Freunden, Ehepartner oder dem technikkundigen Vater. Rufen Sie gleich die Pannenhilfe. Die ADAC-Straßenwacht behebt in über 80 Prozent aller Fälle den Schaden vor Ort. Wenn nicht, kann sie schnell und zuverlässig weitere Hilfeleistungen anfordern. Die Nummer (222222 "sechsmal die zwo") sollte man sich schon vorher ins Handy einspeichern, um sie auch in Stresssituationen sofort parat zu haben.
- Bei der Pannenmeldung ist es ganz wichtig, eine genaue Standortbeschreibung abgeben zu können - der Pannenhelfer kann Sie dann schneller finden.
- An Autobahnen müssen die Nummer der Autobahn sowie Fahrtrichtung und Kilometer angegeben werden. Achten Sie deshalb bei jedem Autobahnwechsel auf die aktuelle Autobahnnummer. Blaue Schilder mit dem Autobahnkilometer befinden sich alle 500 Meter rechts am Fahrbahnrand.
- Melden Sie außerdem die Art des Schadens, Automarke und -typ, Wagenfarbe, Kennzeichen sowie Ihre Handynummer für Rückfragen.
- Auf Bundesstraßen stehen - je nach Bundesland unterschiedlich - im Abstand von 200 Metern oder einem halben Kilometer weiße Schilder. Sie nennen Straßennummer und Kilometerangabe.
- Auch Landesstraßen, Staatsstraßen und manchmal sogar Kreisstraßen tragen Nummern, allerdings nicht in allen Bundesländern. Doch meist sind sie nicht auf einen Blick zu finden. Deshalb sollte man sich den letzten sowie den nächsten Ort merken und die ungefähre Entfernung zu einem der beiden angeben können.
- Falls Sie kein Handy dabei haben, können Sie auf Bundesstraßen und Autobahnen die Panne über eine Notrufsäulen melden. Diese stehen im Abstand von zwei Kilometern. Damit Sie dabei nicht blind in die verkehrte Richtung laufen, zeigt ein kleiner schwarzer Dreieckspfeil auf den Leitpfosten an, wo die nächste Säule zu finden ist.
- Bei den Notrufsäulen gibt es zwei Typen: Ältere und Neuere. Bei den Älteren muss man den Standort noch angeben - dieser ist hinter der Klappe vermerkt. Die neueren Säulen verfügen über eine automatische Standorterkennung.
- Verlangen Sie ausdrücklich die ADAC-Straßenwacht oder nachts ein Straßendienstunternehmen im Auftrag des ADAC und haben Sie, wenn möglich, schon ihre Mitgliedsnummer parat.
- Warten Sie dann bei Ihrem Auto sicher hinter der Leitplanke auf Hilfe.
So helfen Sie richtig!
Nicht jeder Autofahrer hat ein Handy, um Hilfe rufen zu können. Fahren Sie deshalb nicht achtlos an liegen gebliebenen Fahrzeugen vorbei. Halten Sie an und versuchen Sie zu helfen. Vielleicht können Sie über Ihr Handy die Pannenhilfe verständigen oder den Fahrer mit zur nächsten Notrufsäule nehmen. Manchmal muss das Pannenfahrzeug auch an einen sichereren Ort oder eine Ausfahrt geschleppt werden. Um sich selbst und andere nicht zu gefährden, sollten Sie beim Helfen allerdings einige Dinge beachten:
- Halten Sie immer in Fahrtrichtung nach dem Pannenfahrzeug an, niemals davor. Sichern Sie auch Ihr Fahrzeug wie oben beschrieben ab.
- Auf der Autobahn darf nur bis zur nächsten Ausfahrt geschleppt werden. Dort müssen Sie die Autobahn unverzüglich verlassen.
- Schalten Sie beim Abschleppen an beiden Fahrzeugen die Warnblinkanlage an.
- Vergewissern Sie sich zuvor, dass am Pannenfahrzeug Lenkung und auch Bremsanlage einwandfrei funktionieren.
So passieren Sie eine Pannenstelle!
Folgeunfälle durch Gaffer sind leider keine Seltenheit. Ob es nach einem Unfall auf der Autobahn auch auf der Gegenfahrbahn kracht oder es an der Unfallstelle zu einem Auffahrunfall kommt, meist liegt es daran, dass der Fahrer abgelenkt war. Wenn Sie einige Dinge beachten, erleichtern Sie den Unfallhelfern die Arbeit und gefährden sich nicht selbst:
- Fahren Sie an einer gesicherten Unfall- oder Pannenstelle vorsichtig, aber zügig vorbei. Gaffer halten den Verkehr auf und verlängern so den Stau.
- Schauen Sie immer auf die Fahrbahn vor Ihnen.
- Folgen Sie den Anweisungen der Polizei.
- Versuchen Sie nicht, sich am Rettungshubschrauber vorbeizudrängeln.
Quelle: adac.de
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